"Wenn in diesem Jahr der Sommer auf ein Wochenende fällt, vielleicht sogar in die letzte Woche der örtlichen Schulferien, ist im Schwarzwald richtig viel los. Obwohl wir Bad Herrenalb bewusst als Ziel gewählt haben und auf eine unregulierte Umgebung hofften (im Gegensatz zu den oft etwas überfüllten Badewannen oder dem langsam überlaufenden Bad Wildbad oder dem Schneebad Liebenzell), erweist es sich überraschend schwierig, einen bescheidenen Tisch zum Abendessen zu bekommen. Telefonische Anfragen führen meistens nicht zum gewünschten Erfolg, persönliche Voranfragen werden manchmal als Störung angesehen, und spontane Versuche können zu unangenehmen Konflikten führen. Ich erinnere mich gerne an frühere Besuche im Klosterheiligtum, sodass unser erster spätnachmittäglicher Ausflug uns in die gemütliche Ecke des Trips führt, um ein würziges Erfrischungsgetränk zu genießen. Das wunderschön restaurierte Gebäude gehörte einst zum Zisterzienserkloster und ist in diesem etwas ruhigeren Teil des Ortes sehr malerisch. Der etwas dunkle, aber charmante Raum ist stilvoll und geschmackvoll eingerichtet (alte Wände, brüchiges Holz, eine beeindruckende Mischung aus alten und modernen Gemälden, helle Korbstühle), aber an einem angenehm warmen Tag zieht natürlich der Biergarten. Hier kann man die letzten Sonnenstrahlen in bequemen Stühlen im Pseudo-Rattan-Look genießen. Obwohl einige Tische im großzügigen Außenbereich unbesetzt sind, sind nur wenige Gespräche nötig, bis wir uns mit dem Servicepersonal einigen können. Tatsächlich ist die Zeit bis zur nächsten Reservierung so kurz, dass es nicht einmal für Essen reichen würde, sodass wir zuerst einen trockenen Weißwein und ein alkoholfreies Krombacher Pils bestellen. Die Getränke werden sofort serviert, der Riesling (3,70 Euro) ist angenehm kühl und spritzig und wurde großzügig in ein langstieliges Weinglas eingeschenkt. Während in Stuttgart die Viertelgläser mit 0,2 Litern sparsamer und zurückhaltender gefüllt werden, möchte man hier die Gläser voll machen. An den Nebentischen werden einst trendige Mädchendrink wie Hugo und Aperol Sprizz begeistert genossen – und man kann auch das eine oder andere Abendessen serviert bekommen. Unser neugieriger Blick auf die Speisekarte bleibt an einigen attraktiven Angeboten hängen: Ich verspüre Appetit auf die geschmorte Lammhaxe mit breiten Bohnen, inklusive Polentaschnitten (19,80 Euro) oder das Wolfsbarschfilet mit Kräutern und Rucola-Risotto (19,90 Euro). Doch nach den Träumen folgt der unangenehme Teil. Das zuvor gut gelaunte (und offensichtlich engagierte) Servicepersonal äußert sich eher zögerlich, wenn es um eine Tischreservierung geht. Wir können verschiedene Tage, Zeiten und Sitzbereiche durchdechiffrieren, aber wir verstehen unmissverständlich, dass das Haus am Wochenende ausgebucht ist. Alle Servicekräfte, Damen und Herren, stimmen überein. Ein junger osteuropäischer Kellner ist so enttäuscht von unseren verzweifelten Versuchen, dass er laut lacht und kaum zur Ruhe kommt. Eine Kellnerin zeigt Mitgefühl, kann uns aber ebenfalls nicht helfen. Schließlich bleibt uns nur noch genug Zeit, um unsere Kontaktdaten zu hinterlassen. Hier wird viel Wert darauf gelegt (zu Recht). Wenn ich mich recht erinnere, ist das gesamte Restaurant, einschließlich Toiletten und Außenbereich, barrierefrei zugänglich, was auch von Gästen mit Gehhilfen oder Rollstühlen genutzt wird (die Patienten der örtlichen Kliniken besuchen ebenfalls gerne die hiesige Gastronomie). Während meiner kurzen Zeit im Kloster erlebte ich mindestens zwei kleine Familienfeiern. Für Gruppen können einige Tische schnell zusammengeschoben werden. Das Servicepersonal ist sehr freundlich und engagiert und äußerst flexibel, trotz Stress und Müdigkeit. Dafür ein großes Lob!"